9. Spiegelneuronen & Gleichgesinnte

Die Existenz von Spiegelneuronen wurden 1992 von Giacomo Rizzolatti entdeckt. Er hatte dabei die Neuronen im Gehirn eines Affen mit einem Messgerät verbunden. Als der Affe nun eine Banane auf einem Tablett vor ihm wahr nahm und danach griff, dann feuerte eines dieser Neuronen. Rizzolatti fand durch Zufall heraus, dass das selbe Neuron auch feuerte, wenn der Affe lediglich sah oder hörte, dass jemand anderes nach der Banane griff.

Auch beim Menschen wurde 2010 die Existenz von Spiegelneuronen nachgewiesen. Dabei ist Imitation eine der wirkungsvollsten Lernmethode, die uns Menschen zur Verfügung steht. Das beginnt bereits damit, dass Eltern beim Füttern ihrer kleinen Kinder (in der Regel unbewusst) den Mund aufmachen – in der (oft erfüllten) Hoffnung, dass das Baby dann ebenfalls den Mund öffnet.

Wirft man einen Blick auf unser Zusammenleben und die Arbeitswelt, sind die Konsequenzen überaus bemerkenswert:

Wenn wir gewisse Träume und Wünsche haben, dann sollten wir uns mit unseren Vorbildern umgeben, die ähnliche Träume bereits leben. Wollen wir erfolgreicher Schauspieler werden, dann wäre es sicherlich hilfreich seine Idole persönlich zu kennen und wenn wir Weltverbesserer werden wollen, dann ist es sinnvoll, frühzeitig in ein entsprechendes Netzwerk einzudringen.

Die wirkliche Welt sieht aber meist anders aus:

Man umgibt sich mit Menschen, die genauso sind wie man selbst. Und sobald man sich selbst weiterentwickelt – was in dem gewohnten Umfeld meist nur schleppend bis gar nicht passiert – wird es zudem unendlich schwer, weil das Umfeld gerade nicht dem entspricht, was man gerne werden möchte.

Auch Unternehmer haben zu Beginn ihrer Laufbahn meist kein Umfeld aus Unternehmern. Sehr wahrscheinlicher besteht das Umfeld aus Menschen, die die scheinbare Sicherheit ihres Jobs lieben, die lieber den Spatz in der Hand wählen und für die Selbständigkeit nur als die viertbeste Lösung (nach einem festen Job, einem reichen Partner und Hartz IV) erscheint.

Mit anderen Worten: Die meisten Gründer haben ein Umfeld, das vielleicht vordergründig sagt: „Toll, dass Du das machst“, aber sofort ergänzen: „Für mich wäre das nichts“ und insgeheim denken: „Der ist doch irre und scheitert sowieso“ und sich nach dem Scheitern freuen: „Ich hab’s doch gleich gesagt“.

Der Unternehmercoach Stefan Merath beschreibt seine Beobachtung folgendermaßen: Nach einigen Jahren ist der Gründer entweder gescheitert, noch immer am Boden, erfolglos oder er hat seinen Freundeskreis fast komplett ausgetauscht und ist mit seinem Unternehmen durchgestartet.

Auch aus meinem Bekanntenkreis ein ähnlicher Fall: Ein Bekannter wollte seinen Lehrerjob an den Nagel hängen, um sich für einen Bruchteil des Lohns – dafür aus tiefster Erfüllung – Flüchtlingen in Not zu helfen. Die meisten Reaktionen (wie „Ehrenwert, aber bist du verrückt deinen sicheren Job aufzugeben“, etc.) könnt ihr euch bestimmt schon denken…

Im nächsten Beitrag geht es wiederum um ein zentrales Thema für New Work Organisationen: Den Umgang mit Grundbedürfnissen!

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