3. Selbstorganisation braucht herausragende Führung

Viele Unternehmer und Mitarbeiter wissen nicht, ob ihr Unternehmen herausragend geführt wird oder ob sie sich selbst angemessen führen!

In einer Selbstorganisation führt jedoch in gewisser Weise jeder – in erster Linie sich selbst und falls notwendig, sinnvoll und der entsprechende Status vorhanden (oftmals unterbewusst) auch andere. Als Führende können wir uns dabei nur verbessern und reagieren, wenn wir genau wissen wo wir stehen und wo wir hin möchten!

Natürlich könnten wir nackte Zahlen wie Umsatz, EBIT, KPIs, etc. verwenden, um Performance zu messen – jedoch sind diese meist wenig aussagekräftig. Wenn wir z.B. auf jegliche Investitionen verzichten oder 50% aller Mitarbeiter unsinniger Weise entlassen, dann würde das EBIT sicherlich für kurze Zeit steigen. Dass das langfristig nicht erfolgversprechend ist liegt auf der Hand!

Einen sinnvollen Fokus ermöglichen uns die !messbaren! 4 Kriterien herausragender Führung (Weiterentwicklung der „3 Kriterien herausragender Führung“ von Stefan Merath), die wir nun etwas genauer unter die Lupe nehmen werden!

Das Affen-Experiment
Beim ersten Kriterium gehen wir zunächst auf den Zweck der Führung ein und betrachten dabei wie und wieso Führung überhaupt entstanden ist. Dabei fällt auf, dass es schon bei den Primaten eine hierarchische Führung gab – das heißt es MUSS irgendeinen evolutionären Nutzen gehabt haben.

Passend dazu gab es ein spannendes Experiment, das uns an dieser Stelle weiterhilft:
Den Forschern viel dabei auf, dass es innerhalb einer Affengruppe ziemlich oft streit gab und die Beteiligten Affen dabei ziemlich aggressiv waren – speziell 3 Alphatiere waren nahezu in jeden Konflikt verwickelt. Also entfernte man diese Tiere, in der Erwartung, dass sich dadurch die Anzahl der Konflikte deutlich reduziert. Das Ergebnis war dann aber durchaus überraschend: Denn die Zahl der Konflikte schossen plötzlich um den Faktor 5! steil nach oben.

Als dann die 3 Alphatiere wieder in die Gruppe zurückgesetzt wurden, beobachteten die Forscher etwas, das ihnen zuvor nicht aufgefallen war. Sobald die anderen stritten, musste nur einer der 3 Alphatiere einen bösen Blick zuwerfen und der Streit war Geschichte.

Das heißt und das mag für viele sehr überraschend sein: Alphatiere und daraus abgeleitet die Führung einer Gruppe, dient u.a. der Konflikt-Reduktion!

Ein weiteres Beispiel in unserer heutigen Zeit sind Staaten, bei denen es keine klar geregelte Führung gibt. Gerade durch die vielen unterschiedlichen Visionen und Vorstellungen, schießen auch hier die Konflikte steil nach oben!

Wenn wir uns nun „das Arbeiten“ angucken, war es auch hier schon zu Primaten-Zeiten notwendig sich gegen andere Gruppen oder auch den Säbelzahntieger zu verteidigen. Dabei war es überlebenswichtig, dass die Gruppe, wie auch beim gemeinsamen jagen immer zusammen hielt und ihre Energie dabei bündelte!

Auch wenn wir an dieser Stelle noch nicht auf die verschiedenen Führungsstile (dazu mehr im nächsten Beitrag) eingehen, wird deutlich:
Herausragende Führung dient unter anderem der Bündelung der Energie innerhalb der Gruppe!

Zusammengefasst zum ersten Kriterium:

1. Energie im Unternehmen

Da wir nun aber Messbarkeit benötigen, um „besser zu werden“, hilft uns an dieser Stelle ein Fragebogen weiter – der individuell angepasst/erweitert werden kann. Ziel dabei ist es, eine Möglichst hohe Punktzahl zu erreichen:

0: Jeder gegen Jeden
1: Kleine Grüppchen oder Abteilungen bekämpfen sich
2: Jeder macht sein Zeugs so einigermaßen
3: Man hilft sich gegenseitig
4: Einzelne Freundschaften bringen etwas Bindung ins System
5: Alle Mitarbeiter arbeiten gut zusammen
6: Konflikte und emotionale Irritationen werden offen angesprochen, Krisen werden schnell angegangen
7: Es macht Spaß zur Arbeit zu gehen, man ist ein befreundetes Team, das auch außerhalb der Arbeit Kontakte pflegt
8: Es gibt ein tiefes Vertrauen untereinander und wir sehen uns als emotionale Menschen
9: Alle sind in einem emotionalen Zustand, in dem gemeinsame Energie und neues entstehen kann und achten auf sich gegenseitig. Störungen werden sofort aktiv beseitigt
10: Jeder geht für den anderen durchs Feuer und der Laden vibriert vor Energie; Konflikte werden sofort gelöst und danach herrscht wieder die selbe Energie wie vorher

 

Was nutzt es uns aber, wenn wir mit voller Energie an den falschen Themen arbeiten? –> Daher nun (basierend auf dem Sinn und Zweck eines Unternehmens) zum 2ten der 4 Kriterien!

Hierzu betrachten wir den Wert eines Buches, mit folgender Fragestellung:

  • Was ist uns ein Buch wert, wenn wir weder Inhalt, noch Inhaltsverzeichnis kennen?
  • Was ist uns ein Buch wert, wenn wir den Titel lesen und wir das Thema interessant finden?
  • Was ist uns ein Buch wert, wenn wir zu 100% Wissen, dass uns dieses Buch dabei hilft unsere aktuell größten Engpässe zu beseitigen und unsere Träume zu erfüllen?

Im ersten Fall handelt es sich um ein nahezu wertloses Stück Papier, dass uns wohl wenig nutzt – max. würden wir 5 EUR für den Wert des Papiers ausgeben. Im zweiten Fall würden wir wahrscheinlich sogar zwischen 20 und 50 EUR dafür ausgeben, da das Thema ja grundsätzlich interessant für uns ist. Im dritten Fall würden (vor allem erfolgreiche Menschen) wohl 200 – 1.000 EUR und mehr dafür ausgeben, da der Nutzen die 200 – 1.000 EUR bei weitem übersteigt.

Dummerweise führen uns die heute zwei dominante Meinungen zu Sinn und Zweck eines Unternehmens häufig in die Irre!

Z.b. in den USA geht es in der Regel um „Shareholder Value“ und in Europa häufig um „Arbeitsplätze schaffen“.

Nun ist die entscheidende Frage: „Kauft der Kunde, damit der „Shareholder Value“ maximiert oder „Arbeitsplätze geschaffen“ werden?“

Vermutlich nicht!

Auch für das Buch wird ein Kunde in erster Linie Geld ausgeben, wenn es für ihn einen hohen Nutzen bietet! Und um Kunden langfristig einen wertvollen Nutzen zu bieten müssen wir Geld für unsere Dienste verlangen und unsere Produkte immer im Sinne des Kunden weiterentwickeln.

Wenn wir unseren Kunden und zukünftigen Kunden einen Nutzen bieten, werden wir automatisch den Shareholder Value optimieren und Arbeitsplätze schaffen – Shareholder Value und Arbeitsplätze dürfen dabei aber nie zum Ziel werden, da sonst ein contra-produktiver Fokus entsteht!

Und damit können wir auch schon das 2te und 3te Kriterium ableiten, wobei auch hier gilt das (z.b. für größere Firmen) der Fragebogen entsprechend angepasst werden kann:

2. Beitrag/Nutzen/Ausrichtung an dem Kunden
0: Jeder kümmert sich um sich selbst
1: Wenn der Kunde (nicht) zahlt, bewegt sich jemand
2: Solange die Kohle stimmt machen wir alles für den Kunden
3: Es gibt eine ausdifferenzierte kundenorientierte Strategie
4: Einige unterstützen die kundenorientierte Strategie
5: Jeder unterstützt die kundenorientierte Strategie
6: Es gibt Räume, in denen sich Kunden und Mitarbeiter als emotionale Menschen offen begegnen können
7: Jeder einzelne Mitarbeiter kennt und liebt den Kunden persönlich
8: Die Kunden kennen, verstehen, schätzen und lieben uns und unsere Leistungen
9: Wir sind Nr. 1 in den Köpfen und Herzen unserer Kunden
10: Alle richten Ihre Aufmerksamkeit automatisch darauf, dem jetzigen/zukünftigen Kunden das bestmögliche Ergebnis zu bieten.

 

3. Wachstum & Weiterentwicklung des Unternehmens und der Mitarbeiter
-10: Firma stirbt, Mitarbeiter sind depressiv und hilflos
-5: Unternehmen und Rücklagen schrumpfen leicht und Mitarbeiter werden zunehmend demotiviert
0: Wachstum des Unternehmens und der Mitarbeiter wie Branchendurchschnitt
1: Firma und Menschen funktionieren so vor sich hin
2: Der Unternehmer arbeitet an seiner persönlichen Entwicklung und dies führt zu etwas besseren Resultaten beim Unternehmen und strahlt auch etwas auf die Mitarbeiter ab
3: Schlüsselmitarbeiter arbeiten an ihrem persönlichen Wachstum und bringen das Unternehmen voran
4: Eine Mehrzahl der Mitarbeiter arbeitet gemeinsam an der eigenen persönlichen Entwicklung und das Unternehmen erzielt überdurchschnittliche Ergebnisse
5: Alle Mitarbeiter kümmern sich aktiv um das eigene und das Unternehmenswachstum
6: Es gibt persönliche und organisatorische Wachstumsziele und institutionalisierte Reflektion der Entwicklung
7: Alle unterstützen sich gegenseitig in ihrer Entwicklung und dies führt zu deutlich überdurchschnittlichen Ergebnissen
8: Unsere Kunden sind in der Bestimmung unserer Weiterentwicklungsziele integriert
9: Durch proaktives persönliches und organisatorisches Wachstum gestalten wir die ganze Branche mit
10: Mitarbeiter und Unternehmen wachsen durch die Decke, entwickeln sich stetig weiter und leisten einen signifikanten Beitrag in der Branche oder der Welt)

 

Was jetzt noch fehlt ist die ethnische Komponente:

In den 50iger Jahren lachte jeder Erwachsene im Schnitt 18 Minuten pro Tag – heute sind es gerade noch 6 Minuten.

Bedenklich ist zudem: Selbst wenn eine Firma schädliche Medikamente oder giftige Plastikverpackungen erfolgreich herstellt und damit im Sinne des Kunden (z.B. Supermärkte, Apotheken) arbeitet, bringt das der Allgemeinheit langfristig mehr Leid als Glück!

In der heutigen Wirtschaftswelt (Wachstumsgesellschaft) werden wir mit Fokus auf die 3 Kriterien mit hoher Wahrscheinlichkeit wirtschaftlichen Erfolg haben! Aber ist das sinnvoll und macht uns das wirklich vom Herzen zufrieden und glücklich?

Wenn man also noch weiter in die Vogelperspektive blickt, sieht man immer wieder Firmen zu Konzernen wachsen, die langfristig unseren Planeten ausbeuten. Wenn wir dabei an das GROßE GANZE denken, dann sollten Unternehmen jedoch nur wachsen, wenn es für unsere Gesellschaft und unseren Planeten auch langfristig wirklich sinnvoll ist!

Mit dem Wissen über die menschlichen Gründbedürfnisse und dass 70-99% unserer Entscheidungen unterbewusst geprägt sind (beides werden wir in den folgenden Beiträgen noch behandeln) ist es zudem offensichtlich, dass eine weltverbessernde Tätigkeit auch für die vorherigen 3 Kriterien durchaus sehr nützlich ist 🙂

Hierbei gilt jedoch ein entscheidender Zusatz!!
Sofern „Weltverbesserung“ und „Kundennutzen“ nicht korrelieren, ist es in der heutigen Wirtschaft schlichtweg nicht möglich sich ausschließlich auf das Thema „Weltverbesserung“ zu konzentrieren. Denn am Ende des Tages zahlt immer der Kunde unsere Rechnungen!

Dennoch wäre dann eine berechtigte Frage: Was kann ich langfristig tun (z.B. durch neue Produkte / eine neue Zielgruppe) um hierbei besser zu werden – daher (mit Vorsicht anzuwenden!) das 4te Kriterium:

4. Beitrag zur Weltverbesserung:
-10: Unsere Produkte und Projekte schaden unseren Planeten / unserer Gesellschaft
0: Unser Beitrag hat keine Auswirkungen auf das Wohl des Menschen/Planeten
|…|
10: Unsere Produkte und Projekte beeinflussen weltweit positiv das Wohl des Menschen/Planeten und jeder Kollege liefert automatisch begeistert den größtmöglichen Beitrag

Da wiederholtes Verhalten irgendwann zur Fähigkeit transformiert, sollte sich nun innerhalb einer New Work Organisation Jeder in kurzen regelmäßigen Abständen immer wieder intensiv Gedanken über die eigene Energie, den Beitrag am Erfolg des Unternehmens und zur persönlichen Weiterentwicklung machen.

Es ist zum einen entscheidend alle Unternehmensziele an den 4 Kriterien auszurichten und zudem entsprechende Reflektionsrunden in den Alltag zu integrieren – immer mit dem Ziel eine max. „Punktzahl“ zu erreichen.

Zuletzt noch ein Tipp:
Durch leichte Modifizierungen lassen sich die 4 Kriterien nicht nur auf Firmen- und Produkt-Ebene anwenden, sondern ebenso im Privatleben (Energie in der Ehe, im Leben / Ausrichtung des Lebens auf die Lebensvision / Persönliche Weiterentwicklung, Annähern an die Vision / Beitrag zum Wohle des Planeten) 🙂

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